Josef Merth

1871

Der Sommer 1871 kann als Beginn der Freiwilligen Feuerwehr der Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya angesehen werden, als eine Gruppe junger Männer erste Vorarbeiten leisten.

Die Satzungen des „Feuerwehr-Vereines zu Waidhofen/Thaya“ werden im Sinne des § 37 des entsprechenden Landesgesetzes am 9. November 1871 von der Gemeinde-Vorstehung genehmigt. Unterzeichner sind Bürgermeister Liebl, Laurenz Hamernik als Gemeinderat und ein Fl. Martinek. Am 18. November genehmigt die Statthalterei des Erzherzogtums unter der Enns (heute Bundesland NÖ) diese Statuten.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Niederösterreich bereits 90 Wehren, im Jahre 1900 sind es deren bereits 1.211. Erster Hauptmann ist Schuldirektor Josef Merth, sein Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Gustav Aigner, für die Kasse ist k.k - Notar und Reichsratsabgeordneter Theodor Dobler zuständig. Anton Mayerhofer ist Obmann der Steigermannschaft - Georg Kuglweich sein Stellvertreter, Alois Gartner steht der Spritzenmannschaft vor (Josef Knettl als Stellvertreter), Franz Kroppus leitet die Wassermannschaft (Stellvertreter war Bartholomäus Schlosser) und Laurenz Hamernik führt die Schutzmannschaft an (Stellvertreter war Ferdinand Kesseldorfer), damit ist auch eine Aussage über die Gliederung der Aktiven gemacht.

Mit Beginn des 1. Vereinsjahres waren es 79 Mitglieder (23 zur Steigermannschaft, 28 zur Spritzenmannschaft, 19 zur Wassermannschaft und 9 zur Schutzmannschaft)

Der erste Standort der Feuerwehr (1871 bis 1923) ist ein Raum im Rathaus an der Ostseite in Richtung Apotheke. Da viele Aufzeichnungen der Feuerwehr in der NS-Zeit verloren gingen, sind einige Jahrzehnte der Geschichte nur zu rekonstruieren. 

1872

Sowohl personell wie auch finanziell steht der „Sparkassenverein“ in wichtigen Punkten am Beginn der Feuerwehr der Stadt. Sammlungen von Haus zu Haus, die Stadtgemeinde und einige „Assekuranz-Gesellschaften“ sind weitere Geldquellen. 1872 werden 104 Mann aus allen Berufen und sozialen Schichten als Mitglieder gezählt.
In diesem Jahr wurden 17 Übungen durchgeführt.

Bildrechte: Stadtmuseum Waidhofen/Thaya

1873

Der vernichtende Stadtbrand vom 7. August 1873, bei dem die Kirche, 178 Häuser und 8 Scheunen (weitere 10 Häuser samt Nebengebäuden in Altwaidhofen) zerstört werden, ist die erste große Bewährungsprobe für die junge Wehr, auch eine heutige moderne Feuerwehr hätte bei diesem Ausmaß der Katastrophe massive Probleme gehabt.

Heinrich Binder befreite eine Frau vor dem Verbrennen indem er sie, da der Zimmerboden bereits teilweise eingestürzt war, durch das Fenster herabließ.

Weitere Brandeinsätze im Jahr 1873 waren:

  • 22.04.1873 - Zimmerbrand bei Franz Binder (Waidhofen)
  • 27.05.1873 - Wohnhaus samt Stallgebäude (Matzles)
  • 01.07.1873 - Stallgebäude bei Schneider (Waidhofen)
  • 06.07.1873 - 3 Häuser samt Nebengebäuden (Jarolden)
  • 11.07.1873 - 7 Häuser samt Nebengebäuden (Altwaidhofen)
  • 21.08.1873 - 1 Haus und 3 Scheuer (Thaia)

1874

Der erste Sprung in die Technik ist die Anschaffung einer Feuerspritze "Kernreuter" (aus Hernals) samt Mannschaftswagen durch finanzielle Hilfe der Sparkasse im Jahr 1874.

Brandeinsätze im Jahr 1874:

  • 04.01.1874 - 1 Haus (Thaia)
  • 23.01.1874 - 2 Häuser und 4 Scheuer (Thaia)
  • 21.02.1874 - 4 Wirtschaftsgebäude (Götzweis)
  • 27.03.1874 - 16 Häuser samt Nebengebäuden (Schirnes)
  • 29.03.1874 - 2 Scheuern bei Hanisch und Lugauer (Waidhofen)
  • 31.05.1874 - 12 Scheuern (Vitis)
  • 30.09.1874 - 2 Wirtschaftsgebäude (Götzweis)

1876

Ende 1876 sind 77 Mitglieder zu verzeichnen. 20 Steiger, 37 Löschmänner und 20 Schutzmänner. Interessant ist die Altersstruktur und der Berufstand der Feuerwehrmänner. Es waren 1 unter 20 Jahren, 21 standen zwischen 20-30 Jahre, 27 zwischen 30-40 Jahre, 20 zwischen 40-50 Jahre und 8 Mann waren über 50 Jahre. 7 Männer waren Beamte, 3 waren Ärzte, 21 zählte man als Künstler und freie Gewerbetreibende, 5 waren Lehrer, 36 Handwerker und 5 ohne bestimmte Beschäftigung.

Brandeinsätze im Jahr 1876:

  • 19.04.1876 - 1 Scheuer in der Ladensagmühle (Waidhofen)
  • 27.07.1876 - 1 Scheuer (Schirnes)
  • 13.08.1876 - 1 Kirche, 34 Häuser und Nebengebäude (Dobersberg)

1875

Anton Wlk rettete bei einem Brand in Jasnitz am 29. August 1875 einen alten Mann vor dem Erstickungstod. Bei diesem Brand wurden insgesamt 6 Häuser samt Wirtschaftsgebäude vernichtet.

1877

Lt. Rechenschaftsbericht (Bildrechte: Stadtmuseum Waidhofen/Thaya) wird folgendes Inventarium angeführt:

  • Eine Stadtfahrspritze (Saugspritze) - Eigentum der Sparcassa (Preis 2.100 Gulden)
  • Zwei Wagenspritzen älterer Konstruktion, die aber mit Normalgewinden versehen wurden
  • Drei kleine Handspritzen
  • Vier Hydronetten
  • 164 m Schläuche aus imprägniertem Hanf
  • Einen Mannschaftswagen mit Gerätekasten für 16 Mann
  • Einen zweirädrigen Gerätekarren
  • Zwei Steckleitern mit mehreren Teilen und 12 kleinen Wurfleitern
  • Eine einholmige und eine zweiholmige Fensterleiter
  • Vier große und zwei kleine Dachleitern
  • Mehrere lange und kurze Feuerhaken, Kralle, Löschbesen und ein 20 m langes Tau mit Kette und Doppelhaken
  • 2 Bottiche und 36 Feuerlöscheimer
  • Einen Rauchapparat und Rauchbrillen, Löschdosen, Schlauchstützen und Binden und 4 Petroleumfackeln
  • Komplette Ausrüstung für 25 Steiger und 40 Löschmänner
  • 6 Stück Mäntel zum Ausfahren im Winter

Brandeinsätze im Jahr 1877:

  • 08.04.1877 - 5 Häuser samt Wirtschaftsgebäuden (Jaudling)
  • 05.08.1877 - 1 Scheuer (Markl)
  • 01.10.1877 - 3 Häuser samt Nebengebäuden (Maires)
  • 03.10.1877 - 1 Haus samt Wirtschaftsgebäude (Lichtenberg)

 

Mit Ende 1877 waren insgesamt 77 Mitglieder (20 Steiger, 37 Löschmänner, 20 Schutzmänner) zu verzeichnen.

1891

20-jähriges Bestehen des Feuerwehr Waidhofen/Thaya

1896

Dann schweigt die Chronik bis zum 8. September 1896, wo die Freiwillige Feuerwehr Waidhofen an der Thaya auf ihren 25-jährigen Bestand feiern konnte. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Festgäste durch den Bürgermeister Johann Niederleuthner wurde eine Schauübung abgehalten. Bei diesem Jubiläum wurden an einige besonders verdiente Mitglieder Ehrendiplome und Auszeichnungen für 20- bzw. 10-jähriger Zugehörigkeit verliehen: Hauptmann Anton Mayerhofer, Dr. Gustav Aigner, Karl Hamernik, Karl Liebl, Dominik Gärtner, Franz Hammerer, Johann Apeltauer, Wenzel Morawetz, Rudolf Chwatal, Georg Kugelweich, Johann Mayerhofer, Anton Kollar, Alois Schwarz, Franz Mais, Johann Jansky, Dr. Leopold Reinagl und Anton Wlk. Weiters sprach der Bürgermeister dem zur Jubiläumsfeier erschienenen Gründer, respective geistigen Urheber, des Vereins, Herrn Josef Merth, den Dank der Gemeinde für sein seinerzeitiges verdienstvolles Wirken aus. Der damalige Kommandanten Anton Mayerhofer wurde ein Ring als Anerkennung für die Verdienste um das Feuerwehrwesen überreicht.